California Still – Kalifornien zwischen Küste, Coolness und den 1960ern
Share
MANO ET ARTE · CALIFORNIA STILL
California Still ist eine Serie aquarellierter Kalifornien-Motive, die sich irgendwo zwischen Ortsansicht, Erinnerung und Filmstill bewegen.
Carmel-by-the-Sea, Big Sur, Venice, Palm Springs oder San Francisco sind reale Orte. Die Illustrationen wollen sie jedoch nicht fotografisch rekonstruieren. Mich interessiert vielmehr, was von einem Ort übrig bleibt, wenn man ihn auf Licht, Architektur, Landschaft und Stimmung reduziert – und daraus ein neues Bild entstehen lässt.
DIE SERIE
Kalifornien, wie es sich anfühlen könnte.
Manche Motive bleiben ihrem realen Vorbild erstaunlich nah. Die steile Straße mit Cable Car und Blick über die Bucht lässt San Francisco sofort erkennen. Big Sur lebt von Küste, Highway und der Weite des Pazifiks. Die Kanäle von Venice, die Architektur von Santa Barbara oder die Mid-Century-Häuser von Palm Springs tragen ebenfalls sehr konkrete Merkmale ihrer Orte.
Andere Illustrationen nehmen sich größere Freiheiten. Eine alte Tankstelle im Death Valley muss nicht an genau dieser Stelle existiert haben. Sie könnte es aber. Und genau dieser Zwischenraum interessiert mich.
Es geht nicht um eine exakte Adresse. Es geht darum, dass eine Szene glaubwürdig nach diesem Ort aussieht.
DIE ZEIT
Ein Kalifornien irgendwo in den 1960ern.
Die Serie spielt mit einer Epoche, ohne sie historisch nachzustellen. Es ist kein Kalifornien eines bestimmten Jahres, sondern eher eine Vorstellung davon: niedrige Häuser, große Fensterflächen, Palmen, Küstenstraßen, Swimmingpools, Motels und jene selbstverständliche Eleganz, die heute sofort mit Mid-Century California verbunden wird.
Dabei denke ich ebenso an die helle, beinahe makellose Eleganz amerikanischer Filme mit Doris Day wie an die viel kühlere Seite der späten Sechziger. An San Francisco, an Steve McQueen und Bullitt, an Asphalt, Architektur und eine Coolness, die nicht laut sein musste.
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich auch California Still: sonnig, leicht und manchmal beinahe heiter – aber nie ganz süßlich.
DER KLANG
Vielleicht haben die Bilder sogar einen Soundtrack.
Wenn ich die Illustrationen betrachte, denke ich nicht nur in Farben. Irgendwo spielt dabei auch Musik.
Da ist die zurückgenommene Eleganz von Cool Jazz und West-Coast-Jazz. Daneben die frühen Surf-Gitarren von Dick Dale, The Ventures oder The Chantays – häufig instrumental, mit Hall, Rhythmus und viel Raum. Und natürlich gehören auch die Beach Boys zu diesem Kalifornienbild, selbst wenn ihre sonnigen Harmonien längst komplexer waren als das Klischee von Strand und Surfbrett.
Vielleicht müsste man den Klang der Serie als Mischung aus gedämpfter Trompete, elektrischer Gitarre, Meeresrauschen und einem Autoradio beschreiben, das irgendwo an einer Küstenstraße läuft.
DIE FARBE
Elfenbein statt strahlendem Weiß.
Ein wesentliches Element aller Motive ist der warme, elfenbeinfarbene Grund. Er ist nicht einfach nur eine freie Fläche hinter der Illustration.
Dieser Cremeton legt sich wie ein gemeinsamer Schleier über die gesamte Serie. Farben erscheinen dadurch weniger hart und weniger gegenwärtig. Blau wird gedämpfter, Grün etwas staubiger, Orange wärmer. Selbst kräftigere Akzente bleiben eingebunden.
Mich erinnert dieser Grund an altes Papier, an leicht verblasstes analoges Filmmaterial und an warmes kalifornisches Licht. Er gibt sehr unterschiedlichen Landschaften und Städten einen gemeinsamen Farbklang – von der Küste bei Carmel bis zur Wüste des Death Valley.
DIE TYPOGRAFIE
Die Schrift sucht sich ihren Platz.
Auch die Typografie folgt bewusst keinem festen Raster.
Der Ortsname steht nicht bei jedem Motiv an derselben Position. Die Schrift reagiert vielmehr auf das Bild: auf freie Flächen, Architektur, Horizont, Blickrichtung und Gewichtung der jeweiligen Illustration.
Mal steht sie weit und ruhig im offenen Himmel, mal rückt sie näher an die dargestellte Szene. So soll sie nicht wie ein nachträglich aufgesetztes Etikett wirken, sondern als Teil der Komposition.
Die Schrift wandert gewissermaßen mit dem Bild.
ZWISCHEN ORT UND ERINNERUNG
Nicht dokumentarisch. Aber auch nicht beliebig.
California Still ist keine Sammlung klassischer Souveniransichten. Dafür interessieren mich die Orte zu sehr als Bild und zu wenig als Checkliste ihrer Sehenswürdigkeiten.
Trotzdem bleiben viele Motive überraschend nah am Charakter ihres realen Vorbildes. Carmel lebt von seiner Küstenlage, den Bäumen und der kleinteiligen Architektur. Venice von Wasser, Brücken und Häusern unmittelbar an den Kanälen. Santa Barbara von spanisch geprägten Fassaden und Terrakotta. Palm Springs von Mid-Century-Architektur, Pool, Palmen und den Bergen der Wüste.
Die Realität bildet also den Ausgangspunkt. Danach beginnt die Illustration.
Einzelne Elemente werden verdichtet, verschoben oder vereinfacht. Manches wird hinzugedacht, anderes verschwindet. Nicht, um einen Ort beliebig zu verändern, sondern um das herauszuarbeiten, was für mich seine Atmosphäre ausmacht.
CALIFORNIA STILL
Eine kleine Reise durch ein mögliches Kalifornien.
Vielleicht liegt genau darin für mich der Reiz dieser Serie: Diese Bilder behaupten nicht, Kalifornien vollständig zu zeigen.
Sie zeigen einzelne Augenblicke. Eine Straße in San Francisco. Einen Blick über Big Sur. Ein Haus in Palm Springs. Einen stillen Kanal in Venice. Eine Tankstelle in der Wüste. Menschen tauchen nur gelegentlich auf und bleiben meist klein – eher Teil einer Szene als deren Mittelpunkt.
California Still ist deshalb weniger Reisebericht als visuelle Erinnerung an eine Zeit und einen Ort – auch wenn diese Erinnerung zum Teil erst in der Illustration entstanden ist.
Ein Kalifornien zwischen Jazz und Surfmusik, zwischen Doris-Day-Leichtigkeit und Bullitt-Coolness, zwischen Pazifik, Wüste und Mid-Century-Architektur.
Und über allem liegt dieses warme, leicht verblasste Licht.
CALIFORNIA STILL ENTDECKEN
Die Illustrationen als Tassenserie
Die Motive von California Still sind als Keramiktassen bei Mano et Arte erhältlich. Die Serie wächst weiter und führt nach und nach zu weiteren Orten und Landschaften Kaliforniens.