Ein Sommer im Kleinen – die Welt der Wild Companions
Share
MANO ET ARTE · WILD COMPANIONS
Wild Companions ist eine Serie aquarellierter Naturmotive, in denen kleine Tiere nicht für sich allein stehen, sondern gemeinsam mit der Pflanzenwelt erscheinen, in der wir ihnen begegnen.
Marienkäfer zwischen Kamille, Hirschkäfer im Eichenlaub, eine Libelle über Wasseriris oder eine Spinne zwischen Wiesengräsern: Mich interessiert dabei weniger das einzelne Tier als klassische Naturstudie. Spannender ist für mich der kleine Zusammenhang darum herum – der Halm, auf dem es sitzt, die Blüte daneben, das Licht zwischen den Blättern und die Frage, wie viel Landschaft eigentlich in wenigen Zentimetern stecken kann.
DER BLICK
Eine Landschaft beginnt manchmal zwischen zwei Grashalmen.
Wir sind gewohnt, Landschaften in der Weite zu suchen. Berge, Wälder, Küsten oder einen Horizont, der möglichst weit entfernt liegt.
Dabei existieren unmittelbar vor unseren Füßen Landschaften, die kaum größer sind als eine Handfläche. Eine Kamillenblüte wird dort zum weißen Schirm, ein Eichenast zu einem ganzen Lebensraum und ein paar hohe Gräser bilden plötzlich einen kleinen Wald.
Erst wenn man den Blick verändert, werden auch ihre Bewohner sichtbar. Manche leuchten wie der rote Marienkäfer sofort auf. Andere verschwinden beinahe vollständig in ihrer Umgebung.
Vielleicht beginnt genau dort Wild Companions.
DER SOMMER
Vom ersten Käfer bis zum Netz im Spätsommer.
Viele der Tiere dieser Serie gehören zu einem Sommer, wie er auch in Deutschland stattfinden könnte. Nicht an einem einzigen Ort und nicht an einem bestimmten Tag, sondern verteilt über Wiesen, Waldränder, Gärten und Gewässer.
Im Frühsommer erscheinen Käfer zwischen Blättern und altem Holz. Blüten werden von Bienen besucht, während Wiesen dichter und höher wachsen. Später stehen die Gräser beinahe hüfthoch, Libellen ziehen über das Wasser und das Grüne Heupferd wird zwischen Halmen oft erst sichtbar, wenn sich etwas bewegt.
Gegen Ende des Sommers verändert sich das Bild. Die Farben werden trockener, Samenstände treten an die Stelle mancher Blüten und zwischen den Halmen werden die Netze größerer Spinnen auffälliger.
So lässt sich die Serie beinahe wie eine kleine Reise durch die warme Jahreszeit lesen.
DIE BEGEGNUNGEN
Das Tier ist nur die Hälfte des Bildes.
Ein Hirschkäfer allein wäre ein Tierporträt. Zusammen mit Eichenlaub, Ästen und Eicheln entsteht ein Ort.
Dasselbe gilt für die Libelle. Erst zwischen Wasser, Schilf und Irisblüten bekommt sie die Umgebung, die ihre Leichtigkeit verständlich macht. Das Grüne Heupferd gehört zu den hohen Sommergräsern, weil gerade dort seine Farbe beinahe zur Tarnung wird.
Die Pflanzen sind deshalb in Wild Companions keine dekorative Umrahmung.
Sie erzählen mit.
Manchmal stehen sie gleichberechtigt neben dem Tier, manchmal übernehmen sie auf der zweiten Seite einer Tasse sogar vollständig die Hauptrolle. Dadurch entsteht beim Drehen kein wiederholtes Motiv, sondern eher ein kleiner Wechsel des Blickwinkels – einmal auf den Bewohner, einmal auf seinen Lebensraum.
DIE KLEINEN BEWOHNER
Nicht nur die hübschen dürfen dazugehören.
Bei Marienkäfern, Bienen oder Libellen fällt Sympathie leicht. Bei Spinnen sieht die Sache oft schon anders aus.
Gerade deshalb gehören auch Gartenkreuzspinne und Wespenspinne für mich selbstverständlich in diese Serie. Sie bewohnen dieselben Wiesen, Säume und Gärten. Ihre Netze verbinden Halme miteinander und werden Teil der Landschaft, auch wenn wir sie manchmal lieber mit etwas Abstand betrachten.
Eine Gartenkreuzspinne zwischen Wiesengräsern ist nicht weniger Natur als eine Blüte.
Vielleicht verändert sich sogar etwas, wenn man sie nicht isoliert betrachtet, sondern dort, wo sie lebt. Dann wird aus der „Spinne“ plötzlich eine kleine Konstrukteurin zwischen Gräsern – und aus ihrem Netz eine erstaunlich präzise Architektur.
Natur sortiert ihre Bewohner schließlich nicht danach, welche wir besonders hübsch finden.
DAS AQUARELL
Wenn Konturen verschwinden dürfen.
Aquarell passt für mich besonders gut zu diesen Motiven, weil auch eine Wiese keine klaren Grenzen kennt.
Gräser stehen voreinander, Blätter überlagern sich, Licht löst einzelne Formen auf und manches Tier verschwindet fast vollständig zwischen den Pflanzen. Genau diese Unschärfe darf auch im Bild bleiben.
Farben liegen transparent übereinander. Manche Linie endet, bevor eine Form vollständig beschrieben ist. Ein Blatt darf nur aus wenigen Pinselzügen bestehen und der weiße Grund bleibt an vielen Stellen sichtbar.
Die Illustrationen sollen deshalb keine naturkundlichen Tafeln sein. Die Tiere bleiben erkennbar, aber sie dürfen Teil ihrer Umgebung bleiben.
Es sind eher Beobachtungen als Bestandsaufnahmen.
AM ARBEITSTISCH
Vom genauen Hinsehen zum Weglassen.
Am Anfang stehen Skizzen, einzelne Pflanzenformen, Körperhaltungen und Farbstudien. Dabei wächst ein Motiv nicht unbedingt dadurch, dass immer mehr hinzukommt.
Oft ist das Gegenteil schwieriger.
Eine echte Wiese enthält unzählige Halme, Blätter, Blüten, Schatten und kleine Bewohner. Würde man all das in eine Illustration übernehmen, bliebe am Ende kaum noch etwas sichtbar.
Also wird reduziert. Einige Gräser bleiben. Eine Blüte. Ein Ast. Ein Stück Wasser. Das Tier.
Genug, damit eine kleine Welt entsteht – aber nicht so viel, dass sie ihre Leichtigkeit verliert.
DIE WILD COMPANIONS
Marienkäfer, Käfer, Libellen, Heupferd und Spinnen.
Die Serie führt durch sehr unterschiedliche kleine Lebensräume.
Marienkäfer und Kamille gehören zur offenen Wiese. Hirschkäfer und Eichenlaub führen an den Waldrand und zu alten Bäumen. Käfer zwischen Wilder Möhre und feinen Dolden zeigen eine beinahe schwerelose Pflanzenwelt.
Mit Libelle und Wasseriris geht es ans Ufer. Das Grüne Heupferd verschwindet im hohen Sommergras. Gartenkreuzspinne und Wespenspinne führen schließlich in jene spätsommerlichen Wiesen, in denen Netze zwischen Halmen sichtbar werden.
Die Tiere könnten unterschiedlicher kaum sein.
Und doch verbindet sie etwas: Sie alle teilen ihren Lebensraum mit Pflanzen, die für uns oft nur Hintergrund sind – für sie aber die ganze Landschaft.
WILD COMPANIONS
Ein Sommer im Kleinen.
Vielleicht ist das der eigentliche Gedanke hinter dieser Serie.
Für eine interessante Naturbeobachtung braucht es nicht unbedingt eine Fernreise, einen Nationalpark oder ein seltenes Tier. Manchmal reicht eine Wiese, ein alter Baum oder ein stiller Rand am Wasser.
Und die Entscheidung, für einen Moment genauer hinzusehen.
Denn zwischen zwei Grashalmen kann eine ganze Landschaft liegen. Auf einem Eichenast kann ein kleiner Kosmos entstehen. Und in einem Spinnennetz am Morgen kann plötzlich das Licht eines ganzen Sommers hängen.
WILD COMPANIONS ENTDECKEN
Die Illustrationen als Tassenserie
Die Motive der Wild Companions Collection sind als Keramiktassen bei Mano et Arte erhältlich. Jede Gestaltung verbindet einen kleinen tierischen Bewohner mit seiner Pflanzenwelt und erzählt auf zwei Tassenseiten eine eigene Naturbeobachtung.