Gothic zwischen Erinnerung, Natur und Vergänglichkeit
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Von der Gotik zur modernen Goth-Kultur
Der Begriff Gothic führt zunächst weit zurück. Die mittelalterliche Gotik zeigte sich besonders in hohen Kirchenräumen, Spitzbögen, Maßwerk, farbigen Fenstern und reich ausgearbeiteten Ornamenten.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde diese Bildwelt in Literatur, Architektur und Kunst neu entdeckt. Verfallene Schlösser, Nebel, alte Familiengeheimnisse, übernatürliche Erscheinungen und eine melancholische Stimmung wurden zu typischen Elementen der Gothic Novel.
Die heutige Goth-Kultur ist jedoch wesentlich jünger. Sie entstand Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre in Großbritannien aus der Post-Punk-Szene. Musik, Mode und visuelle Gestaltung verbanden sich dabei zu einer eigenständigen Subkultur.
Musik als Ausgangspunkt
Als wichtiger Ausgangspunkt gilt häufig das 1979 veröffentlichte Stück Bela Lugosi’s Dead der britischen Band Bauhaus. Sein langsamer, düsterer Klang und die Anspielung auf den klassischen Dracula-Darsteller verbanden Musik, Filmgeschichte und morbide Ästhetik auf neue Weise.
In den frühen 1980er-Jahren entwickelte sich daraus eine erkennbare Szene. Bands wie Bauhaus, Siouxsie and the Banshees, The Cure und später The Sisters of Mercy prägten unterschiedliche Seiten des Sounds und der visuellen Erscheinung.
Clubs wie der Londoner Batcave wurden zu Treffpunkten, an denen Musik, Mode, Theater, Kunst und bewusste Inszenierung zusammentrafen. Goth war damit von Beginn an mehr als nur schwarze Kleidung.
Prägende Goth-Ikonen
Die moderne Goth-Kultur kennt keine einzelne verbindliche Leitfigur. Dennoch gibt es Musikerinnen und Musiker, deren Erscheinung, Bühnenwirkung und Bildsprache bis heute mit der Szene verbunden werden.
Peter Murphy von Bauhaus verkörperte eine theatralische, kantige Form des frühen Goth. Siouxsie Sioux prägte mit starkem Augen-Make-up, schwarzem Haar und einer selbstbewussten Bühnenästhetik das Erscheinungsbild weit über die Musik hinaus.
Robert Smith von The Cure wurde mit verwischtem Lippenstift, dunklem Augen-Make-up und auftoupiertem Haar zu einer der bekanntesten Figuren melancholischer Alternativkultur. Andrew Eldritch von The Sisters of Mercy steht dagegen für eine kühlere, reduzierte und stärker vom Gothic Rock geprägte Erscheinung.
Symbole der heutigen Gothic-Ästhetik
Raben, Rosen, Kerzen, Schädel, Spiegel, Schlüssel, Monde und alte Uhren gehören zu den häufigsten Bildzeichen. Sie stehen für Erinnerung, Geheimnis, Zeit, Verlust, Verwandlung oder Vergänglichkeit.
Gotische Fenster, Kirchenruinen und verwitterte Mauern verweisen auf historische Architektur. Spitze, Samt, Schmuck, Glasflakons und viktorianische Ornamente bringen Eleganz und Vergangenheit in die Bildwelt.
Auch Motten, Schmetterlinge, Pilze, getrocknete Pflanzen und Herbarien sind heute wichtige Motive. Sie verbinden Schönheit und Verfall, Leben und Tod sowie wissenschaftliche Neugier mit einer dunklen, poetischen Naturdarstellung.